Bidspirit Auktion | Raden Saleh Ben Jaggia: Landschaft


Raden Saleh Ben Jaggia: Landschaft mit Blick auf den Vulkan Merapi auf Java - SALEH BEN JAGGIA, RADEN 1811 Samarang (Java) - 1880 Buitenzorg Titel: Landschaft mit Blick auf den Vulkan Merapi auf Java. Datierung: Um 1867. Technik: Öl auf Leinwand. Maße: 30 x 43,5cm. Rahmen: Rahmen. Gutachten: Werner Kraus, Passau, 17.07.2024, liegt in Kopie vor. Materialanalyse: Art in Lab, Paris, 12.06.2024, liegt in Kopie vor. Das Gemälde wurde im Mai-Juni 2024 folgenden Analysen unterzogen: Begutachtung mit ultraviolettem Licht, Digitalmikroskop, Röntgenfluoreszenzspektroskopie (SFX), Fourier-Transform-Infrarotspektroskopie (FTIR). Diese Analysen zeigen, dass die Pigmente mit den biografischen Daten von Raden Saleh (1811-1880) übereinstimmen und darauf hindeuten, dass das Werk in den Jahren 1850-1860 entstanden ist. Provenienz: Privatbesitz, Frankreich; Kunstmarkt, London (als ”Dutch School”); Kunstmarkt, Belgien (als ”Calame Umkreis”).   Der Berg Merapi, wörtlich Feuerberg, ist einer der aktivsten Vulkane auf der Insel Java. Sein javanischer Name ist abgeleitet von Meru, dem exemplarischen Zentrum der hinduistischen und buddhistischen Kosmologie, und api, was Feuer bedeutet. Allein sein Name macht ihn zum imaginären Mittelpunkt der Welt, zum Drehpunkt und Nagel des Universums. Seit Millionen von Jahren versorgen die periodischen Ausbrüche des Vulkans die Böden in seiner unmittelbaren Umgebung und in den angrenzenden Gebieten mit reichlich mineralischen Nährstoffen. Gleichzeitig ermöglichte sein sanftes Gefälle, das sich bis zum südlichen Meer erstreckt, die Einrichtung komplexer und ausgedehnter Bewässerungssysteme, die die Grundlage für den erfolgreichen Anbau von Nassreis bildeten. Der daraus resultierende landwirtschaftliche Reichtum war wiederum die Grundlage für die Gründung lokaler Staaten und die Übernahme komplexerer administrativer und religiöser Strukturen nach indischem Vorbild.  All diese wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Entwicklungen wären ohne die zentrale Rolle des Vulkans Merapi nicht möglich gewesen. Er ist der zentrale Akteur in diesem System, was durch seine zentrale Stellung in der javanischen Staatstheorie und Mythologie bis heute unterstrichen wird. Der Merapi ist nicht nur einer von vielen Feuerbergen auf der Insel: Er ist der zentrale Berg. Diese zentrale Bedeutung des Merapi in der javanischen Kultur wurde von so unterschiedlichen Männern wie dem brillanten Geologen Wilhelm Junghuhn und dem Maler Raden Saleh verstanden. Junghuhn, der alle 43 Vulkane Javas bestieg und beschrieb, begann 1838 mit dem Merapi, und Raden Saleh malte keinen anderen Berg Javas mit der gleichen Aufmerksamkeit und Genauigkeit wie den Merapi. Der Vulkan Merapi ist als Motiv auf mindestens 12 Gemälden des Raden Saleh zu finden. Auf der übergroßen Mehrzahl dieser Bilder ist der Berg das zentrale Thema, fast möchte man von ”Porträts” des Merapi sprechen. Anders als etwa die um Bogor liegenden Berge Gunung Salak, Gunung Gedeh und Gunung Pangerango, die in seinen west-javanischen Landschaftsbildern oft als Hintergründe erscheinen, stellt Raden Saleh den Merapi (meist) als Solitär dar. Dies deutet darauf hin, dass er sich der mystischen Bedeutung, der Erhabenheit, des Berges bewusst war und dies in seiner Malerei ausdrückte. Im Jahr 1865 beschloss Raden Saleh, einige Zeit in Zentraljava zu verbringen. Die Reise von Batavia in die Fürstentümer (Zentral Java) war jedoch nicht einfach. Man brauchte die Erlaubnis der Behörden, also einen Pass und den gab es nur, wenn man überzeugende Gründe für die Reise nachweisen konnte. Saleh hatte bereits 1855, also zehn Jahre zuvor, eine solche Reise nach Zentraljava beantragt, um Studien für sein Gemälde ”Verhaftung von Diponegoro” anzufertigen. Die Regierung war allerdings nicht von der Notwendigkeit dieser Reise überzeugt und lehnte das Ansuchen ab. Zehn Jahre später versuchte er erneut eine Reisegenehmigung zu erhalten und dieses Mal war er weniger naiv im Umgang mit der Administration. Geschickt bot Saleh der Bataviaasche Genootschap van Wetenschappen en Kunsten seine Dienste als Beschaffer javanischer Manuskripte an. Der Vorstand der Genootschap stellte deshalb einen Reiseantrag mit kostenloser Nutzung von Postpferden für Raden Saleh, der im Mai 1865 von der Regierung genehmigt wurde. Damit waren alle Hindernisse aus dem Weg geräumt und Raden Saleh war bald auf dem Weg. Er kam im August 1865 in Yogyakarta an. Zwischen Oktober und Dezember 1865 befand sich der Vulkan Merapi in einer sehr aktiven Phase. Endlose Rauch- und Aschewolken stiegen in den Himmel, und Millionen von Kubikmetern Lava flossen über den Kraterrand. Raden Saleh bestieg den rauchenden und rumpelnden Berg mit einer Gruppe von Holländern und lokalen Würdenträgern und hielt das grandiose Naturschauspiel auf zwei Leinwänden fest – Ausbruch des Merapi bei Tag und Ausbruch des Merapi bei Nacht. Später sollte er drei Repliken dieses äußerst erfolgreichen Paares herstellen.